Der Himmel so weit

 

Das Erleben des Kontrasts von sich und Welt schafft eine Lücke, einen Raum – es passiert. Der Betrachter der Bilder Ranks betrachtet den gemalten Betrachter. Bild im Bild.

Die gemalten Figuren im Bild, noch als Silhouetten erkennbar, machen eine unheimliche, ungeheuerliche Begegnung - keine Bühne der Welt des Immergleichen, sondern die Totalität des Augenblicks.

Die Begegnung nimmt eine zufällige, kontingente Form an. Sie verleiht dem Bild in gewisser Weise den metaphysischen Status eines Ereignisses.
Diese romantische Konzeption wird so von der Künstlerin gesteigert, dass sie eine existenzielle Form annimmt. Diese existenzielle Form macht sie uns durch ihre Malerei erfahrbar. Oft experimentell angewandt wird diese Malerei selbst zu einem Ereignis, weder vorhersehbar noch berechenbar. Ein konstruierter, malerischer Augenblick.

 

Schallenberg, Berlin 

 

Von Farbe geformt

Menschen vor Landschaft, vor Stadtpanorama, vor Lagerfeuer. Kathrin Rank malt Silhouetten in scheinbar idyllischen Gegenlichtsituationen. Doch warum spürt man bei längerer Betrachtung ein leichtes Unbehagen? Ist es die Fensterfront im Flughafen, in die jeden Moment ein Flugzeug donnern könnte, der urinierende Kampfhund, der ein Postkartenpanorama beschmutzt, dunkle Gestalten mit Schirmmützen, die an eine Verschwörung denken lassen? Oder ist es die Oberfläche der freien Malerei, die die Figuren einbettet, überstrahlt, aber gleichzeitig auch wieder auflöst und unsichtbar macht? Der Bildbetrachter steht vor den gemalten Figuren, sieht mit Ihnen in die Ferne und möchte ihnen zurufen „Passt auf, irgendetwas stimmt hier nicht.“ Doch es gibt keine Fortsetzung die folgt. Das Bild ist der eingefrorene perfekte Augenblick, der Schönheit und Unheimliches gleichzeitig in sich trägt.
Kathrin Ranks Bilder zeigen Ein- und Ausblicke und spielen mit der Wirkung von Licht- und Schattensituationen. Figuren werden durch Gegenlicht zu Silhouetten. Der Hintergrund überstrahlt, drängt sich nach vorne und bettet die menschlichen Umrisse in Farbe. Die vordergründige Figuration tritt zurück und wird in Beziehung gesetzt mit der malerischen Auseinandersetzung der Umgebung. Das Gegenständliche wird durch Fläche und Kontur beruhigt. Das Nebensächliche gewinnt durch den Farbauftrag an Bedeutung. Farbe bleibt als abstrakte und auch sinnliche Malerei wahrnehmbar und verwandelt sich gleichzeitig in etwas Dargestelltes. Das Außen wird zum Einfallstor für das Innere, Außenlandschaft wird zur Innenlandschaft.

Sarunas P. Kaiba, Riga